Das Telgter

Hungertuch

Das Telgter Hungertuch stellt eines der bedeutendsten religiösen Kulturgüter Westfalens dar.

Das imposante Telgter Hungertuch zeigt in den ersten vier Bildreihen das Leiden Christi bis zur Auferstehung. Weitere Motive sind die Symbole der vier Evangelisten, das Lamm Gottes und Szenen aus dem Alten Testament.

Rund 400 Jahre ist es her, dass fleißige Hände mit Nadel und Faden die Bilder des Telgter Hungertuchs geschaffen haben: eine sogenannte Filetstopfarbeit. Die Darstellungen werden dabei auf einen geknüpften, netzartigen Untergrund gestickt. Was aus der Ferne dunkel wirkt, ist das Netz. Die hellen Figuren und Inschriften sind die gestickten Flächen. 33 einzeln gefertigte Bildfelder wechseln sich in sechs Reihen übereinander mit ebenfalls 33 unverzierten Quadraten aus Leinen ab.

1623 – also fünf Jahre nach Beginn des 30-jährigen Krieges – wurde das Fastentuch vom Burgmann Henrich Vos und seiner Ehefrau Catarina Droste gestiftet.

Bis 1907 hing das Telgter Fastentuch in jedem Jahr im ersten Chorbogen in der Pfarrkirche St. Clemens. Dort verbarg es zur Fastenzeit – von Aschermittwoch bis kurz vor Ostern – den Altarraum. Die versammelte Gemeinde sollte weder die Liturgie noch die Altarbilder sehen. Für den mittelalterlichen Menschen war das eine schmerzliche Entbehrung, wie der Verzicht auf Fleisch.

Die Wappen in der untersten Bildreihe verraten, wem wir das Hungertuch verdanken: Dort sind die Wappen der Familien der vier adligen Damen zu sehen, die das Tuch angefertigt haben und der Name des Pfarrers, der es in Auftrag gab.