7. November 2026 bis 24. Januar 2027

Die Telgter Krippenkunst-Ausstellung steht dafür, dass gesellschaftliche Stimmungen aufgegriffen und in kreative Darstellungen umgesetzt werden. Das diesjährige Thema „Aufbruch“ bietet dafür vielfältige Ansätze. In der Weihnachtsgeschichte gibt es zahlreiche Aufbrüche: Die schwangere Maria und Josef machen sich auf den beschwerlichen Weg nach Betlehem, die Hirten und Sterndeuter brechen zur Krippe auf und kurz nach der Geburt müssen Maria und Josef selbst aufbrechen, um nach Ägypten zu fliehen. Diese Beispiele zeigen es bereits: Aufbruch kann freiwillig oder erzwungen sein, er kann im Sinne eines Neuanfangs positiv stimmen oder es kann ein Aufbruch in eine ungewisse Zukunft sein. Meistens ist ein Aufbruch jedoch verbunden mit der Hoffnung auf die Kraft der Erneuerung.

Bei allen Beteiligten bedeutet der Aufbruch, das bisher Alltägliche zu verlassen. Und der Anblick des Kindes in einer Krippe im Stall macht deutlich, dass eine neue Zeit angebrochen ist. Keiner kehrt dorthin zurück, wo er hergekommen ist: Die Hirten gehen und verkünden die frohe Botschaft, die Heiligen Drei Könige nehmen einen anderen Rückweg und die Heilige Familie flieht nach Ägypten. Mehr Aufbruch geht eigentlich nicht.

Die Künstlerinnen und Künstler befassen sich in der Ausstellung sowohl mit den verschiedenen Szenarien des Aufbruchs innerhalb der Weihnachtsgeschichte als auch mit dem symbolischen Aufbruch von Menschen zur Krippe hin oder mit der Botschaft der Krippe hinaus in die Welt. Den Weg der Heiligen Familie beschreibt die Schülerin Klara Unnewehr anschaulich in ihrem Gemälde „Aufbruch nach Bethlehem“. Aus den Häusern, in denen Maria und Josef um eine Herberge bitten, schallt es „nein, nein, nein!“ Sie erreichen den Stall in letzter Minute.

Die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten wird einzeln dargestellt oder im Zusammenhang mit der Migration in der heutigen Zeit, wie im Werk „Beidseitig“ von Christian Nachtigäller zu sehen ist.

Bemerkenswert ist die Installation von Simone Thieringer: Die Heilige Familie steht auf einem vergoldeten Stein. Vor ihr liegen siebzig Pflastersteine, auf denen jeweils eine menschliche Gestalt steht, die sich von der Krippe als schützendem Ursprung in die Unsicherheit der Welt begibt: Aufbruch als Wagnis und Chance. Dies ist auch das Thema der Papierkrippe von Matthias Weber. Die Heilige Familie hat die Welt verlassen und landet auf einem fremden Planeten. Und auch dort kommen fremde Wesen zur Krippe und bringen Geschenke. Den weitesten Weg nach Telgte hatte die Krippe der ukrainischen Künstlerin Olya Kravchenko. Die Heiligen Drei Könige bringen hier Weihrauch zur Krippe.

Wie immer bietet die Telgter Krippenkunst-Ausstellung eine Mischung aus traditionellen Krippen und gesellschaftspolitischen Interpretationen der Weihnachtsgeschichte mit seiner Bedeutung in der heutigen Zeit.