
26. April bis 30. August
Im Jahr 2025 wurde ein umfangreicher Teil des künstlerischen Werkes von Martha Kreutzer-Temming – darunter zahlreiche Entwürfe, Skizzen sowie biografische Materialien – dem Museum Relígio übergeben. Die Verbindung der Künstlerin mit dem Museum reicht weit zurück: Bereits 1957 hatte sie der damalige Museumsleiter kontaktiert, um eventuell eine Kopie des Telgter Hungertuches von 1623 anfertigen zu lassen. In den Jahren 2019 und 2024 konnte das Museum zudem mehrere Arbeiten der Künstlerin für seine Sammlung erwerben.
Die Kabinettausstellung im Relígio ermöglicht erstmals einen konzentrierten Einblick in das beeindruckende Gesamtwerk von Martha Kreutzer-Temming und eröffnet zugleich Perspektiven auf ihre persönlichen künstlerischen Arbeits- und Entstehungsprozesse.
Martha Kreutzer-Temming wurde 1933 in der Beerlage, einem Ortsteil von Billerbeck, geboren. Sie studierte Textilkunst an der Werkschule Münster, unter anderem bei Hanne-Nüte Kämmerer, und setzte ihre Ausbildung anschließend an der Werkkunstschule Köln fort, wo sie Malerei bei Wilhelm Teuwen studierte.
Trotz der bis heute verbreiteten Einordnung der Textilkunst als vermeintliche „Kunst zweiter Klasse“, die häufig mit traditioneller weiblicher Handarbeit assoziiert wird, entschied sich Kreutzer-Temming bewusst für dieses Medium.
In ihrem Werk zeigt sie mit großer Sensibilität, welche künstlerischen Möglichkeiten in der Haptik und Transparenz textiler Materialien liegen. Durch das Übereinanderlegen verschiedener Stoffschichten, das Arbeiten mit Farbe sowie durch gestickte grafische Elemente entwickelt sie eine eigenständige Bildsprache, die eindrucksvoll belegt, dass textile Arbeiten selbstverständlich Teil der Bildenden Kunst sind.
Als tief spirituell geprägte Persönlichkeit verarbeitet Kreutzer-Temming zudem immer wieder religiöse Fragestellungen – auch in Arbeiten, die auf den ersten Blick säkular erscheinen. Die persönliche Auseinandersetzung mit Glauben und Transzendenz bildet einen wichtigen Hintergrund ihres künstlerischen Schaffens.
Heute gilt Martha Kreutzer-Temming als international anerkannte Textilkünstlerin. Ihre Werke befinden sich unter anderem in der deutschen Botschaft in Saudi-Arabien sowie in der Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei den Vereinten Nationen in Genf. Zwischen 1975 und 2004 erhielt sie zahlreiche Preise und Stipendien.
Das Werk der Künstlerin umfasst liturgische Gewänder, Tapisserien (gewebte Bildwerke), Weiß-in-Weiß gearbeitete Stickereien und Applikationen, Grafiken mit Metallfäden sowie mehrere Hungertücher. Ein monumentales Fastentuch entstand 2017 für den Würzburger Dom.
Unser besonderer Dank gilt dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW für die Förderung der Ankäufe sowie der Westfälischen Stiftung für sakrale Kunst für die Unterstützung der Fotodokumentation, der wissenschaftlichen Bearbeitung des Werkes und der geplanten Publikation.