Verleihung des Bischof-Heinrich-
Tenhumberg-Preises in der
77. Telgter Krippenausstellung 2017/2018

Verleihung des Bischof-Heinrich-Tenhumberg-Preises in der 77. Telgter Krippenausstellung 2017/2018

Am 28. Januar um 15 Uhr werden in einer öffentlichen Feierstunde im Museum REGIO die Preisträger für den Bischof-Heinrich-Tenhumberg-Preis geehrt. Die Urkunden werden von Generalvikar Dr. Norbert Köster überreicht. Neu ist, dass im Rahmen der Preisverleihung erstmalig auch ein Publikumspreis vergeben wird. „Diese Einführung eines Publikumspreises hat sich sehr positiv auf die Ausstellung ausgewirkt, da viele Besucherinnen und Besucher sich im Hinblick auf ihr Votum noch einmal intensiv mit einzelnen Krippe befasst haben,“ so Museumsleiterin Dr. Anja Schöne. 2640 Stimmen wurden bis zum 10. Januar abgegeben.

Die Jury unter Leitung von Margareta Coppenrath ließ sich bei der Auswahl der Preisträger von den Kriterien Originalität, Kreativität und Spontaneität der Exponate leiten. Außerdem sollten die unterschiedlichen Gruppen der Aussteller vertreten sein. Zu den insgesamt neun Preisträgern gehören ein einzelnes Kind, zwei Schulklassen, eine Gruppe von Erwachsenen und fünf einzelne Erwachsene. Hinzu kommt der Publikumspreis.

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Pressemitteilungen
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Jüngster Preisträger

Jüngster Preisträger ist Titus Niklas Neumann-Mahlklau, ein zehnjähriger Schüler aus Telgte, mit seiner Arbeit „Der Unterschlupf“. Seine kleine Krippendarstellung ist auf grünem Steckschaum arrangiert. Stall und Krippe bestehen aus Streichhölzern, Maria und Josef sind aus Fimo modelliert, das Jesuskind ist ein Legomännchen. Hinter der Szene ist ein Peace-Zeichen aus einem Topfuntersetzer aus Kork geschnitten.


Titus Niklas Neumann-Mahlklau, Foto © REGIO
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Schülerinnen und Schüler im Alter von sechs bis zehn Jahren

Schülerinnen und Schüler im Alter von sechs bis zehn Jahren (zum Teil mit Förderbedarf) haben die vielfigurige Krippe unter dem Titel „Friede verbindet“ geschaffen. Die große Figurenkrippe mit Stall ist Ergebnis eines inklusiven Kunstprojektes der Paul-Schneider-Schule in Münster Kinderhaus. Die Kinder modellierten zunächst die Figuren aus Zeitung und Kreppband, füllten das Gerüst mit zerknüllter Zeitung, verkleisterten die Figuren mit Papier, fügten Bärte und Kronen an und bemalten die Figuren mit Acrylfarbe. Auf diese Weise entstanden 13 sorgföltig gearbeitete Figuren; die Hl. Familie, Ochs und Esel, ein Hirte mit Schafen, die Hl. Drei Känige und ein Engel. Der Stall entstand aus Holzstöcken, die mit einer Kordel verbunden wurden. Unter den Ganztagsschülern waren mehrere Religionen vertreten. Unterstützt wurde das Projekt von Leonie Große, Stephanie Große und weiteren Lehrkräften der Schule.


Schülerinnen und Schüler der Paul-Schneider-Schule, Foto © REGIO
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Schülerinnen und Schüler der Klasse 7.3 der Gesamtschule Warendorf

„Friede beginn bei uns oft ganz klein - entdecke ihn“ ist die Arbeit von Schülerinnen und Schüler der Klasse 7.3 der Gesamtschule Warendorf betitelt. Das mit Acryl auf Leinwand gemalte Wandbild zeigt eine Weltkugel, die von 33 Kronkorken umrahmt wird. Sie ist vor einem Nachthimmel mit Sternen und einer Mondsichel dargestellt. Vor der Weltkugel sind in Umrissen zwei Personen zu erkennen: Ein Kind, welches die Hand ausstreckt und eine Frau, die die Hand des Kindes ergreift. In die Kronkorken um die Erdkugel sind kleine Bilder eingesetzt, die unterschiedliche Motive zeigen, welche sich mit dem Thema Frieden beschäftigen. Um die Bilder in dieses Miniformat zu bekommen wurden von den Schülerinnen und Schülern große Bilder gemalt, die eingescannt, verkleinert ausgedruckt und anschließend mit Buntstiften bemalt wurden. In den Kronkorken ist wieder mehrfach die Weltkugel abgebildet und der Spruch: „Frieden auf Erden“, aber auch die Silhouette einer Krippe und Texte. Da diese sehr klein und mit bloßem Auge kaum zu entziffern sind, ist eine Lupe an dem Bild befestigt, die es den Besucherinnen und Besucher ermöglicht, sich die kleinen Bilder genauer anzusehen und den Frieden „m Kleinen“ zu entdecken.


„Friede beginn bei uns oft ganz klein - entdecke ihn“ ist die Arbeit von Schülerinnen und Schüler der Klasse 7.3 der Gesamtschule Warendorf, Foto © REGIO
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Die Gemeinschaftsarbeit einer Künstlerin des Kreiskunstvereins Beckum-Warendorf

Die Gemeinschaftsarbeit einer Künstlerin des Kreiskunstvereins Beckum-Warendorf mit zwei Geflüchteten zeigt auf einem Tischmodell Migration als hoffnungsvolle Perspektive für das Zusammenleben der drei Religionen Judentum, Christentum und Islam und darüber hinaus. Die Arbeit von Katharina Ronge, Amin Balouchi und Marziye Jafari trägt den Titel „Migration als Geburtsstätte für Frieden“. In den vier Ecken der großen Holzplatte befinden sich kleine Modelle der Gotteshäuser der drei Religionen, in der vierten Ecke ist der Stall der Hl. Familie mit Ochs und Esel zu sehen. Die Hl. Familie selbst steht im Mittelpunkt, umgeben von über einhundert akribisch aus Papier, Draht und Holz modellierten Menschen aus aller Herren Länder. In liebevoller und auch humorvoller Kleinarbeit wurden die vielen Figuren einzeln bemalt und gestaltet. Sie sind einander zugewandt und fassen sich an den Händen. Die Arbeit soll zeigen: Ein friedliches Zusammenleben aller Menschen weltweit ist möglich.


Die Gemeinschaftsarbeit einer Künstlerin des Kreiskunstvereins Beckum-Warendorf, Foto © REGIO
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Rudi Bannwarth

„Denkanstoß - die Krippe in der Baustelle“ ist die Arbeit von Rudi Bannwarth aus Ettlingen bei Karlsruhe betitelt, der die Darstellung der Heiligen Familie in die Baustelle einer Hochhaussiedlung verlegt. Die aus Lindenholz geschnitzten und kolorierten Figuren des professionellen Holzbildhauers stellen zeitgenössisch gekleidete Menschen dar, die sich auf der Baustelle und am Bauzaun zufällig treffen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Krippendarstellungen, bei denen die Hirten, Hl. Drei Könige und weitere Personen zur Krippe streben, Geschenke bringen oder andächtig niederknien, kommen hier Menschen zur Krippe, die in ihrer ganzen Körpersprache abwartend und skeptisch sind. Diese kritische und zum Reflektieren anregende Darstellung, die die heutige Einstellung zur Geburt Christi oder zu Religion überhaupt widerspiegeln soll, hat die Jury nachhaltig überzeugt.


„Denkanstoß - die Krippe in der Baustelle“, Rudi Bannwarth, Foto © REGIO
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Hans Rothfeld

Auf ein aktuelles Ereignis, das Silvesterfest 2015 in Köln, bezieht sich die Krippendarstellung von Hans Rothfeld aus Wadersloh „Glauben und Frieden öffnen Grenzen“. Sie zeigt den auf seine Grundform reduzierten Kölner Dom mit der Domplatte. Beides ist aus Buchenholz gesägt. Auf der Domplatte befindet sich eine aus Sperrholz ausgesägte Menschenmenge Viele der dargestellten Personen tragen Flaggen, auf denen das Wort „Friede“ in der jeweiligen Landessprache geschrieben steht. Sie bewegen sich in Richtung Dom, vor dessen Eingang die Hl. Familie in einem kleinen Stall aus Eichenholz zu sehen ist. Die Idee zu dieser Krippe wurde durch die Silvester-Krawalle 2015 in Köln angeregt, aber der Künstler hat den Ereignissen ein positives Bild entgegengestellt: „Dieses Geschehen wurde nun von mir in eine friedliche Szene umgesetzt, in der alle Völker und Nationen gemeinsam in Frieden dem Jesuskind huldigen. Steine des Anstoßes und Hasses sind abgelegt worden“ schreibt er dazu selbst.


Silvesterfest 2015 in Köln umgesetzt als friedliche Szene, Hans Rothfeld, Foto © REGIO
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Adelheit Eimer

Die Wandbildserie von Adelheit Eimer aus Gütersloh mit dem Titel „Friede auf Erden? Ein Versuch ...“ besteht aus zwei gerahmten kolorierten Holzschnitten auf Zeitungs- bzw. Ingrespapier sowie einer Acrylmalerei auf Leinwand, die die Mitte des Ensembles bildet. Alle drei Bilder zeigen seriell das Motiv einer dunkelhäutigen Familie, die auch die Hl. Familie sein könnte. Mutter und Kind halten ein aufgeschlagenes Buch, das Kind eine echte (Schreib)feder in der Hand. Nur auf dem querformatigen Mittelbild sind in der Diagonale von links unten nach rechts oben als Symbole des Friedens Löwe und Schaf sowie eine Friedenstaube zu sehen. Im Hintergrund ist eine Weltkugel mit einer zerstörten Stadt zu erkennen. Der erste Holzschnitt ist auf eine umgekehrte Zeitungsseite mit weltpolitischen Nachrichten gedruckt. Rechts oben im Bild steht mit silberner Tinte ein Zitat der Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai geschrieben: „One child, one teacher, one book and one pen can change the world. Education is the only solution. Education first.“ Auch auf dem dritten Bild ist noch einmal ein spiralförmig handgeschriebener Text der Nobelpreisträgerin zu lesen. Die Idee, Frieden mit Bildung zu verbinden und die gestalterische Umsetzung der Collagen in Kombination mit Holzschnitten und einem Mittelbild mit Friedenssymbolen wurden von der Jury mit einem Preis gewürdigt.


Adelheit Eimer, „Friede auf Erden? Ein Versuch ...“, Foto © REGIO
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Sandra Höricht

Eine für die Krippenausstellung neue Technik hat Sandra Höricht aus Telgte bei ihrer Arbeit „Geburt Christi“ benutzt: Die Buchskulptur aus vier Büchern präsentiert die Hl. Familie und den Ausstellungstitel „Friede auf Erden“ als Buchfaltkunst auf alten Eichenholzbrettern. Für die Darstellung der Hl. Familie, die nur durch das Falzen der Seiten entstand, wurde eine Bibel verwendet, die aufgeschlagen im Winkel der Holzbretter steht. Der Schriftzug wurde aus den Seiten von drei kleinen Gebetbüchern gefalzt, die oberhalb der Hl. Familie an das Holz montiert wurden. Durch das Falzen entsteht der Eindruck eines Reliefs.


„Friede auf Erden“ als Buchfaltkunst, Sandra Höricht, Foto © REGIO
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Gerta Goer

Das Werk der Künstlerin Gerta Goer aus Paderborn besteht aus vier Szenen der „Legende vom vierten König“, die mit aus Ton modellierten und mit Acrylfarben kolorierten Figuren vor Kulissen gestaltet sind.

Die Legende berichtet von einem vierten König, der aus Russland - so diese Variante - aufgebrochen ist, um dem neuen König zu huldigen. Nach einem langen Weg mit vielen Erfahrungen erreicht er den Messias jedoch erst zu seiner Kreuzigung. Die ausgestellte Darstellung folgt der literarischen Fassung von Edzard Schaper (1908-1984), einem deutsch-baltischen Schriftsteller, der die Legende in sowjetisch-sozialkritischer Tradition erzählt.

In der ersten Szene begegnet der kleine König den drei Weisen aus dem Morgenland. Da er sich ihnen nicht ebenbürtig fühlt, zieht er alleinweiter.

In der nächsten Szene begegnet der kleine König einer jungen, ärmlich aussehenden Frau, die gerade ein Kind geboren hat. Es gibt ihr einen Teil der Geschenke, die er für den Jesusknaben gedacht hatte.

Das nächste Szenenbild zeigt den vierten König, der statt eines Jungen auf eine Galeere geht, um dort Frondienste zu leisten. Dort verbringt er 30 Jahre.

In der letzten Szene begegnet er erneut der Frau, der er als junger Mutter Geschenke gegeben hatte. Sie erklärt ihm, dass die Kreuzigung eines Königs bevorsteht. Der kleine König kommt zum Kreuz, wo er den einzig wahren König sieht und verstirbt.


Das Werk der Künstlerin Gerta Goer aus Paderborn besteht aus vier Szenen der „Legende vom vierten König“, die mit aus Ton modellierten und mit Acrylfarben kolorierten Figuren vor Kulissen gestaltet sind. Foto © REGIO
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Leonie Große

Die bemerkenswerteste Arbeit der diesjährigen Krippenausstellung „Friede auf Erden“ ist die Arbeit „10.000 Schuss“ von Leonie Große, die in Everswinkel lebt. Aus etwa 10.000 Patronenhülsen unterschiedlicher Größe, die dicht an dicht auf die vorher aus Papier modellierten Körper geklebt wurden, hat die Künstlerin die Hl. Familie gestaltet. Dabei wurden die verschiedenen Farben der Patronenhülsen für die Kleidung genutzt, so beispielsweise für das rote und blaue Gewand von Maria. Patronen als Inbegriff des Krieges wurden hier in ein Bild des Friedens umgewandelt. Die Patronen stammen von zwei Tontauben-Schießständen. Obwohl die Arbeit in der Ausstellung durchaus kontrovers diskutiert wurde, wurde sie vom Publikum mit den meisten Stimmen bedacht. Auf die Arbeit von Leonie Große entfielen knapp 232 Stimmen. An zweiter Stelle lag die Krippe von Josef Zirp mit knapp 200 Stimmen.


„Friede auf Erden“, Leonie Große, Foto © REGIO
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REGIO - Dr. Anja Schöne -
Pressetext zum Bischof-Heinrich-Tenhumberg-Preis 2017


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