Blick in einen der Magazinräume
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Rollregalsystem des Museums
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Sammlung

„Wohin der Blick sich auch wendet, der zeitgenössische Mensch erscheint als Zeug-Sammler par excellence. Es gibt nichts, das (inzwischen) nicht gesammelt werden könnte und somit gesammelt wird. Das Mögliche ist hier immer auch das Tatsächliche. Und wenn alltagssprachlich auch mit dem 'Sammeln' zuvörderst gefällig-rar-ausgefallen-wertvolle Gegenstände gemeint sein mögen, so ist doch offensichtlich, dass diese Aktivität eigentlich [...] auch ganz andere Bereiche umfasst: das Sammeln von Informationen und Erkenntnissen ..., von Einmachobst und Waldpilzen ..., von Liedgut und Brauchtum ..., von Wertstoffen und Abfällen ..., von Unterschriften und Wahlstimmen ..., von Verdruss und Leidensdruck ..., [...] von Rabattmarken und Bonuspunkten ..., von Eindrücken und Rückschlägen ..., von Almosen und Spenden ..., von Vermögen und Ruhm ..., undsoweiterundsofort.“

(Thomas Schloz: Die Geste des Sammelns. Eine Fundamentalspekulation; Umgriff, Anthropologie, Etymographie, Entlass, Stuttgart 2000, S. 23.)

Die Sammlung des Museum REGIO entstand - wie in Heimatmuseen üblich: vorwiegend aus Schenkungen und umfasste in den ersten Museumsjahren überwiegend Gegenstände des Haushaltes (Möbel, Geschirr / Keramik, Spinnräder, Dreschflegel...) und des Handwerks (Blaudruckerei, Holzschuhmacherei, Töpferei). Nur vereinzelt gelangten religiöse Stücke in die Sammlung. Seit etwa 1949 ist ein deutlicher Anstieg im Erwerb von Krippen zu beobachten. Die Exponate stammten fast ausschließlich aus dem Münsterland. Bei der ersten Bestandserfassung 1980/81 wurden 3.664 Objekte und Objektgruppen inventarisiert.

1984, in der Festschrift zum 50-jährigen Bestehen des Museums, wird auch über dessen Sammlung berichtet: Sie bestand zu dieser Zeit aus den Ausstattungsgegenständen einer Blaudruck- und einer Töpferwerkstatt und aus „verschiedensten Zeugnissen der religiöse Volkskunde“, insbesondere den persönlichen Gebrauchsgegenständen des Kardinals Clemens August Graf von Galen. Der damalige Museumsleiter Dr. Franz Krins setzte die Sammlung historischer und neuzeitlicher Krippen fort, sammelte religiöse Graphik, Rosenkränze, Medaillen und Gebetbücher und begann mit der Sammlung von Exponaten zur evangelischen religiösen Kultur.

Dr. Thomas Ostendorf (Museumsleiter von 1985 bis 2016) führte die Sammlung zur religiösen Kultur weiter. Er ergänzte die Krippensammlung um internationale Krippen und Objekte der weihnachtlichen Festkultur. Zudem übernahm er Nachlässe von regional bekannten Künstlern, die religiöse Kunstwerke geschaffen hatten (Lotte Bach, Ludwig Baur, Hans Dinnendahl, Rudolf Breilmann u.a.). Die Sammlung umfasst heute ca. 25.000 inventarisierte und dokumentierte Exponate.

Die Profilschärfung des Hauses zu einem Museum für religiöse Kultur brachte es mit sich, dass umfangreichere Objektbestände magaziniert werden mussten. Einzelne Objekte oder auch Konvolute, wie z.B. die Blaudruckwerkstatt, werden anderen Museen als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.

Das aktuelle Sammlungskonzept sieht vor, die Sammlung zur religiösen Praxis aktiv weiterzuführen und auszubauen. Die religiöse Praxis bezieht sich heute auf alle Religionen, die in Westfalen gelebt wurden und werden, auch den Bereich der modernen Spiritualität. Bei der Erwerbung zeitgenössischer Objekte setzt das Museum zunehmend auf das Prinzip der Partizipation der Besucherinnen und Besucher, um deren Erfahrungs- und Wissensschatz in die Entwicklung der Sammlung und damit des Museums einzubeziehen.

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